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Eine nicht alltägliche Schlüsselübergabe - Bei Cemex in Rüdersdorf übernehmen fünf neue Cat Großgeräte auf einen Schlag den Kalksteinabbau

Er eröffnet den Zugang für jede Baumaschine: der Zündschlüssel – ob bei einem Mikrobagger mit 900 Kilogramm oder bei einem Muldenkipper mit 98 Tonnen. Wenn gleich fünf Tagebau-Großgeräte auf einen Schlag ihren Betrieb aufnehmen, darf es schon ein besonderer Schlüssel sein. Denn eine solche Investition, wie sie in Deutschland nicht alle Tage vorkommt, tätigte Cemex in Rüdersdorf, rund 30 Kilometer von Berlin, Anfang Juli. Ein Schlüssel, eingearbeitet in ein Hologramm, mit den eingelaserten Firmenlogos Cemex und Zeppelin-Cat auf einer schwarzen Marmortafel, sollte die offizielle Maschinenübergabe fünf neuer Cat Großgeräte symbolisch unterstreichen. Diese bildete zusammen mit der anschließenden Schausprengung einen der Höhepunkte beim traditionellen Bergfest im Museumspark Rüdersdorf, bei dem der Bergbau in all seinen Facetten im Vordergrund stand. 

Per Jeep-Shuttle wurden rund 150 Besucher vom Museumspark zur Maschinenübergabe gebracht, die Cemex- Produktionsleiter Stefan Schmorleiz mit den Worten einläutete: „Jedes Jahr werden rund drei Millionen Tonnen Kalkstein aus der Lagerstätte entnommen, die für die Kalk- und Zementproduktion benötigt werden, die in das Berliner Umland und bis nach Skandinavien per Bahn und Schiff geliefert werden. Der Abraum macht rund 400 000 Kubikmeter aus, die beräumt und eingebaut werden. Diese Massen verlangen nach einer leistungsstarken Baumaschinentechnik.“ Konkret handelt es sich um drei Cat Muldenkipper 777G, einen Cat Radlader 990H und eine Cat Raupe D10T, die offiziell ihrer neuen Bestimmung übergeben wurden. Ein vierter Muldenkipper war ebenfalls Bestandteil des Maschinenpakets, der inzwischen auch seinen Einsatz aufgenommen hat. 

Die mehrere Millionen Euro umfassende Investition tätigte Cemex bei seinem Hauptlieferanten Zeppelin. „Wir arbeiten schon lange sehr konstruktiv zusammen“, erläuterte Thomas Weber, bei Cemex zuständig für den Tagebau. Der Zeppelin Konzernkundenbereich, vertreten durch Ulrich Schwake, und die Niederlassung Berlin-Schenkendorf, vertreten durch Bernd Neumann, betreuen den Standort Rüdersdorf, um das passende Equipment samt der richtigen  Ausrüstung für den wirtschaftlichen Rohstoffabbau zu ermitteln und den Kunden bestmöglich zu beraten. Diesmal war auch der Gebrauchtmaschinenbereich involviert, da die alten Geräte von Torsten Huck in Zahlung genommen wurden und Zeppelin die gebrauchten Großgeräte international vermarkten wird. 

Die bestehende Tagebautechnik wies aufgrund der Einsatzdauer Alterserscheinungen auf – der Aufwand, sie instand zu halten, sprach für Geräte auf neuestem Stand der Technik. Außerdem wird bei Cemex großer Wert auf Arbeitsschutz gelegt, dem die Baumaschinen Rechnung tragen müssen. Ein weiteres Argument: Neue, sparsamere und emissionsärmere Motoren in den Muldenkippern, dem Radlader und der Raupe sollen zu niedrigeren Betriebskosten beitragen. „Wir achten sehr darauf, dass wir damit den Abbau störungsarm abwickeln und noch wirksamer gestalten können, wie das ohnehin  schon seit Jahren der Fall ist“, verdeutlichte der Produktionsleiter. 

Das Thema Umwelt hat in Rüdersdorf längst einen anderen Stellenwert als zu DDR-Zeiten, als noch jährlich tonnenweise Zement- und Kalkstaub die Landschaft weiß färbten. Das änderte sich rapide, als die britische Readymix-Gruppe die Zementwerke nach der Wiedervereinigung von der Treuhand übernahm und diese dann 2005 in den Besitz von Cemex überging. Seitdem wurden über 50 Millionen Euro in den Umweltschutz investiert. Neben Maßnahmen im Zementwerk wurden die Aufbereitungsanlage und Fördertrasse zur Staub- und Lärmminderung eingehaust. Zusätzlich zur Staubbindung wurde ein Cat Muldenkipper 773 zu einem Wasserwagen mit 43 000 Liter Fassungsvermögen umgebaut, um die Wege im Tagebau zu besprühen. Doch geht es nicht nur um Staubemissionen, die sich beim Rohstoffabbau in Grenzen halten sollen, sondern auch um Geräusche – immerhin reicht der Kalksteinabbau teilweise bis 80 Meter an die Wohnbebauung heran. Die neuen Motoren in den Cat Großgeräten arbeiten nun deutlich leiser, was ebenfalls wesentlich war bei der Investitionsentscheidung. 

Dass eine Maschinenübergabe in diesem Umfang kein Alltagsgeschäft ist, unterstrich Holger Schulz, Zeppelin Bereichsleiter Konzernkunden: „Die neuen Großgeräte sind der lebende Beweis dafür, wie sich der Abbau weiterentwickelt hat – von der Lore zum rund 98 Tonnen Starrrahmenkipper. Im Namen von Zeppelin wünschen wir Cemex, dass das Unternehmen damit viel „Schotter“ macht und Rüdersdorf für Brandenburg weiterhin so ein wichtiger Arbeitgeber bleibt.“ Er hatte 1992 während seines Maschinenbaustudiums ein Praktikum bei Zeppelin absolviert und dabei Cemex einen Cat Muldenkipper 773 vorgeführt. Damals waren noch Skw dieser Größe gefragt – 2003 stellte der Rohstoffbetrieb auf Cat 777 um, weil die Geräte immer größere Entfernungen zwischen den Ladestellen und dem Brecher zurücklegen müssen. 

Der Kalkabbau hat in Rüdersdorf eine lange Tradition und geht bis auf das Jahr 1254 zurück. Der Tagebau schrieb bereits Filmgeschichte und diente als  Drehort für den Filmklassiker „Der Tiger von Eschnapur“. Was ihn auszeichnet ist seine geologische Besonderheit: 42 Ladestellen verteilen sich auf sechs Sohlen, auf denen der mehr als 235 Millionen Jahre alte Rüdersdorfer Muschelkalk gewonnen wird. Im Laufe der Jahre wurden immer größere Fördermengen erzielt. Die Abbaufläche hat inzwischen Dimensionen von vier Kilometern Länge mit maximal einem Kilometer Breite erreicht. „Das zeugt von immensen Erdbewegungen, die hier bislang stattgefunden haben und weiter fortgeführt werden“, so Stefan Schmorleiz. Diese erfordern von den Großgeräten, 15 000 Tonnen pro Tag an Rohstoff zu bewältigen, wobei die neuen Cat Geräte ihren Teil dazu beitragen. „Die Maschinen arbeiten zum einen alle kraftstoffeffizient. Zum anderen beschickt der Radlader in vier bis fünf Ladespielen die Mulden optimal, sodass sie mit der vollen Nutzlast beladen werden und sich ein abgestimmtes Zusammenspiel mit den Skw ergibt“, führte Holger Schulz aus. Der Radlader ist in der High-Lift-Version im Einsatz,  damit sich die Cat 777 bestmöglich beladen lassen. 

Um die Produktivität erfassen zu können, will Cemex zudem Daten, wie den Kraftstoffverbrauch oder die Leerlaufzeiten, über die Flottenmanagementlösung Vision Link in Zukunft noch gezielter auswerten. Außerdem ist der Einsatz einer 3D-GPS-Steuerung an der Raupe vorgesehen, die mit einem Reißzahn arbeitet. Sie kümmert sich um die Standsicherheit der Böschungen, die aufgrund eines generellen Schichteinfallens der Kalksteinschichten kontinuierlich so weit abgeflacht werden müssen, dass kein Abrutschen die Sicherheit gefährden kann. Mit dem Reißzahn soll der Böschungsbereich profiliert werden und mit der Steuerung soll der Fahrer ein Hilfsmittel  erhalten, das ihm vorgibt, wie viel er bereits abgeschoben hat und wo er noch nacharbeiten muss. 

Soviel zur Theorie – dann hieß es: an die gelben Eisen. Die Besucher waren ausdrücklich eingeladen, die neuen gelben Baumaschinenriesen anzufassen und aus nächster Nähe zu begutachten. Eine Gelegenheit, die gerne genutzt wurde, um mittels Digitalkamera den Moment festzuhalten.  

Kasten:

Bergfest mit Schausprengung

Über 300 Besucher verfolgten aus sicherem Abstand während des Bergfests von einer Naturtribüne aus auf der Südseite des riesigen Kalksteintagebaus, wie sich 22 500 Tonnen Rohstoff nach Plan mit einem dumpfen Knall aus dem festen Verbund in der 30 Meter hohen Wand lösten. Was für sie ein nicht alltägliches Schauspiel ist, ist für den Tagebau der Cemex in Rüdersdorf reine Routine. Denn ein bis zweimal täglich wird dort der Kalkstein gesprengt – doch normalerweise fallen die Sprengungen aus Qualitätsgründen kleiner aus. Im Fall der Schausprengung hatten Mitarbeiter auf einer Länge von rund 55 Metern 18  Bohrlöcher mit einer Tiefe von 34 Metern und einem Abstand zur Wand von rund fünf Metern angelegt. „An dieser Stelle war das Material nicht so leicht zu bohren. Wir haben uns auch viel Mühe bei der Vorbereitung gegeben, damit die Sprengung „schön“ aussieht“, so der Sprengmeister Mathias Hoffmann. Von ihm wurden über drei Tonnen Sprengstoff elektrisch gezündet, der sich auf 2,4 Tonnen ANO-Sprengstoff und 625 Kilogramm patronierten Emulsionssprengstoff verteilte. Die Lademenge betrug pro Zeittiefe 170 Kilogramm. Darüber informierte Christoph Mathes aus dem Tagebau-Team. Er fragte die wichtigsten Daten im Vorfeld von den Besuchern ab und wollte wissen, wer diesen am nächsten kam. Manfred Ohlrich aus der Nähe von Greifswald schätzte die Sprengstoffmenge richtig ein. Bevor diese die geplante Wirkung voll entfalten konnte, gingen alle Mitarbeiter aus dem Sprengteam in sicherem Abstand auf ihre Position. Der Sprengmeister lief zum letzten Mal von Osten in Richtung Westen die Wand zur Endkontrolle ab und läutete die Sprengung mit den Worten ein: „Mein Kommando gilt. 5, 4, 3, 2, 1 – Zündung.“ Und es war vollbracht. Es dauerte eineinhalb Tage, bis die neuen Baumaschinen das Material verladen hatten.

Bildtext:     

Große Maschinenübergabe (von links): Holger Schulz, Zeppelin Bereichsleiter Konzernkunden, Stefan Schmorleiz, Cemex-Produktionsleiter, Ulrich Schwake, Zeppelin Konzernkunden Verkaufsleiter Neumaschinen, Thomas Weber, Cemex-Leiter Tagebau Rüdersdorf, Torsten Huck, Zeppelin Konzernkunden Verkaufsleiter Gebrauchtmaschinen, sowie Bernd Neumann, leitender Verkaufsrepräsentant der Zeppelin Niederlassung Berlin.

 

Eine außergewöhnliche Maschinenflotte verlangt nach einer Schlüsselübergabe der besonderen Art (von links): Cemex-Produktionsleiter Stefan Schmorleiz, die Zeppelin Verkaufsleiter Konzernkunden für Neu- und Gebrauchtmaschinen Ulrich Schwake und Torsten Huck sowie Thomas Weber, bei Cemex zuständig für den Tagebau in Rüdersdorf. 

 

Besucher waren ausdrücklich eingeladen, die neuen gelben Baumaschinenriesen aus nächster Nähe zu begutachten 

 

Das Großgeräte-Trio auf dem Weg zur Arbeit im Tagebau Rüdersdorf.   

Bei der Schausprengung detonierten drei Tonnen Sprengstoff und brachten 22 500 Tonnen Rohstoff zu Fall.