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Der Koloss PC4000-6 im Steinbruch nahe Wuppertal vor der Fachpresse Gehe zu Fotos
Der Koloss PC4000-6 im Steinbruch nahe Wuppertal vor der Fachpresse

Technologiebeschau bei Komatsu: NRW Minister im 1.600 PS Bagger

Ein eher untypisches Bild bietet sich einem überschaubaren Kreis aus Veranstaltern, Fachpresse und Unterstützern im August 2018 im Steinbruch Osterholz der Iseke GmbH & Co.KG: NRW-Wirtschaftsminister Dr. Pinkwart, gut gelaunt und strammen Schrittes in Arbeitsschuhen, Warnweste und Helm auf dem Weg zum Ritt auf dem 1.600 PS starken Baggerkoloss PC4000 der Firma Komatsu. Die Komatsu Germany GmbH hatte gemeinsam mit dem Kalkwerkbetreiber zur „Probefahrt“ geladen. Eine anschließende Präsentation Komatsus neuester Innovationen und eine angeregte Diskussion mit dem Minister sowie dem neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung von Komatsu Deutschland Taiichiro Kitatani sollten folgen.  

Mittendrin statt nur dabei: Auf, im und unter dem Komatsu PC4000-6

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In einem etwas abgelegenen Teil des Steinbruchs, den die deutsche Tochter des japanischen Baumaschinenherstellers zu Testzwecken anmietet, angekommen zeichnet sich der Gruppe das volle Ausmaß des Großbaggers bereits aus der Ferne ab. 400 Tonnen wiegt das Ungetüm, dessen „Maul“ Platz hat für 22m³ Volumen (rund 40t Gestein). Dabei ist der ausgestreckt über 16 Meter hohe PC4000-6 noch lange nicht der Godzilla in der Baureihe der Mining Division von Komatsu. Bis zu 777t wiegt etwa ein PC8000 – der Größte seiner Serie. Aufgrund der verhältnismäßig kleinen Steinbrüche Deutschlands werden beide erwähnten Modelle hierzulande womöglich keine Anwendung finden. Dennoch: Der Minister nimmt begeistert in der Fahrerkabine platz und alle geladenen Gäste erfreuen sich einer umfangreichen Führung auf, im sowie unter dem Großgerät – moderiert von Ralf Petzold, Geschäftsführer der Mining Division von Komatsu Germany persönlich. Eine derartige Erfahrung macht man nicht alle Tage.

NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart und Vorstand der Geschäftsführung Komatsu Germany GmbH Taiichiro Kitatani

1.600 PS, 400 Tonnen Gewicht und 90.000 Tonnen Gesteinsbewegung täglich

Stolz vermittelt Petzold am „lebenden Objekt“ Leistungsdaten wie 90.000t Gesteinsbewegung täglich! 40t fasst die Standardschaufel des PC4000-6, 1.600 muntere Pferde treiben den 60l Diesel an, welchen man im Übrigen auf Wunsch auch durch einen vergleichbaren Elektromotor mit 1.359kW ersetzen kann, und und und (technische Spezifikationen finden sie natürlich auf LECTURA specs). Ebensoviel Zeit und Muße verwendet der Leiter der Mining Division nebst Muskeln zeigen jedoch auf die Herausstellung von Sicherheitsfeatures, wie etwa gleich 2 neu entwickelten Notausstiegen, montiert im 45°-Winkel, zum noch sichereren Notabstieg. Zudem verfügt der PC4000 über eine 360° Kamera, die permanent einen Rundumblick des Baggers auf einen der Bildschirme des Bedieners projiziert, um Gefahren und Hindernisse unmittelbar zu erkennen, um frühzeitig reagieren zu können. Sicherheitsfeatures wie Komatsu’s Argusauge mit dem hauseigenen Markennamen „Bird-Eye-View“ sind wohl auch nötig, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der PC4000-6 Gestein mit einer Ausbrechkraft von 1239 Kilonewton, was rund 126 Tonnen entspricht, aus dem Fels reißt. Wir freuen uns trotzdem, dass Komatsu hier einen besonderen Fokus in der Präsentation legt.

Wieder in den Tagungsräumlichkeiten angelangt, geht die Exkursion in die Welt Komatsu’s technologischer Neuerungen in Anwesenheit des Komatsu Deutschland Vorstands der Taiichiro Kitatani, Ralf Petzold und Göksel Güner weiter: „Smart Construction“ oder „i-Construction“ soll eine Welt vernetzter, intelligenter Maschinengenerationen für deutlich erhöhte Effizienzgrade auf Baustellen ermöglichen. Besonders hellhörig wird Minister Pinkwart, als es um konkrete Präzedenzzahlen aus Japan geht, wo bereits 850 von circa 5000 Bauvorhaben mit intelligenten Maschinen gestemmt werden.

Intelligente Maschinen - So funktioniert’s

Die Kombination aus CAD Baustellendaten, Drohnenbildern und mannigfaltiger Sensorik, die z.B. in den Hydraulikzylindern der Maschine steckt, vervollständigt die Datenbasis so deckend, dass die Maschine „weiß“ wo exakt sie sich auf der Baustelle und im Erdreich befindet. Abhängig von den Soll-Daten der Baustelle, sollen so Fehler erheblich minimiert bis eleminiert werden. Fehlhübe sollen der Vergangenheit angehören. Komatsu nennt diese Technologie „Stroke Sensing“, die es schlicht verhindert etwa einen Hang zu tief abzutragen oder einen Grad im falschen Winkel zu bilden. Der Komatsu Vorstand spricht von einer annähernd optimalen Ausführung jedes Arbeitsschritts. Wiederholungsarbeiten werden so minimiert – damit abnahmefähige Baustellen „auf einen Schlag“ produziert. Nebst Sprit- und Wartungskostenreduktionen werden so auch mögliche Beschädigungen unter der Oberfläche liegender Infrastrukturen verhindert.

Mitglied des Vorstands Komatsu Germany Petzold erklärt den PC4000 im Detail

Die Frage nach der Amortisation

Der NRW Minister und das Publikum sind insbesondere infolge des aufwendig produzierten Promovideos von i-Construction sichtlich beeindruckt – und ein wenig skeptisch; insbesondere der sehr vorteilhaft anmutende Kostenpunkt will geklärt sein. Ja, Komatsu‘s intelligente Maschinen sind teurer als Herkömmliche und nein, sie operieren nicht autonom. Komatsu spricht jedoch von einer Amortisationszeit oder Return on Investment der intelligenten Baugeräte von 12-18 Monaten in denen kein Maschinenführer um seinen Job bangen müsste. Das ambitionierte (interne) Ziel der Japaner ist es, alle Bauprojekte in Japan zu digitalisieren und eine 50%ige Verbesserung der Bauprozesse zu erreichen. Hierzu gilt es natürlich noch einige Hürden zu nehmen, keine neue Technologie ist perfekt. So sind etwa die Maschinen nicht über eine zentrale Cloud „online“, sondern sprechen vielmehr untereinander via W-Lan. Eine Synchronisation der Daten an eine zentrale Intelligenz erfolgt nicht immer live. Dies ist in den meisten Fällen simpelsten Umständen wie LTE-Empfang in Steinbrüchen geschuldet o.ä. Bei der Reife dieser bereits verprobten Technologie scheint die Bewältigung letzter Herausforderungen jedoch nur eine Frage kurzer Zeit zu sein.

Intelligente Maschinen in Deutschland?

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Deutschland ist ein wichtiger, potenter Markt für Komatsu, dies wird mehrfach unterstrichen. Wann nun werden auch hierzulande die ersten intelligenten Maschinen dem Bauwesen einen Produktivitätsschub verpassen können? NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart erkennt hier absolut reelle Bedarfe: Der avisierte flächendeckende Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland ist und bleibt eine Herausforderung. „Effizienzsteigerung durch Digitalisierung“ sei ein sehr wichtiges Thema mit hoher Priorität. Er spricht von einem in Kürze stattfindenden Plenum im NRW-Ministerium zum Thema Bau & Digitalisierung mit zentraler Bedeutung. Hierzu lädt er Kitatani und Kollegen herzlich ein, den Dialog insbesondere mit Details zu der in Japan geschaffenen Präzedenz anzureichern.

Insgesamt bietet sich allen Anwesenden an diesem Tag eine hochspannende Technologiebeschau mit echten Anknüpfungspunkten an die Realwirtschaft. Auch der PC4000-6 wird nicht mehr allzu lange am Standort nahe Wuppertal weilen; die Tests seien bald erfolgreich beendet, so dass der Großbagger in den nächsten Wochen die Rückreise – verteilt auf über 10 schwere LKW – zur nächsten Großbaustelle antritt, welche er in gewohnter Manier rund um die Uhr befahren wird.

Quelle: Komatsu Europe International N.V.

Komatsu PC4000-6 auf LECTURA Specs

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