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VDBUM-Talk zum Thema „Fachkräfte – Garanten für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum“: (v. l.) Friedrich Duensing, Geschäftsführender Gesellschafter der Friedrich Duensing GmbH, Jakob Mehrtens als Vertreter des umworbenen Nachwuchses, Michael Ziegler, Personaldirektor bei Total Deutschland, Michael Heidemann, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin Baumaschinen, Peter Guttenberger, Geschäftsführer der Max-Bögl-Gruppe und Präsident des VDBUM, sowie Moderatorin Alexandra von Lingen. Gehe zu Fotos
VDBUM-Talk zum Thema „Fachkräfte – Garanten für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum“: (v. l.) Friedrich Duensing, Geschäftsführender Gesellschafter der Friedrich Duensing GmbH, Jakob Mehrtens als Vertreter des umworbenen Nachwuchses, Michael Ziegler, Personaldirektor bei Total Deutschland, Michael Heidemann, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin Baumaschinen, Peter Guttenberger, Geschäftsführer der Max-Bögl-Gruppe und Präsident des VDBUM, sowie Moderatorin Alexandra von Lingen.

Unter Experten - Gipfeltreffen der Baubranche ist eine unverzichtbare Größe

48. VDBUM-Seminar vom 19. bis 21. Februar 2019 in Willingen

„Innovation durch Motivation“ – so lautete das Motto des 47. VDBUM-Seminars, das vom 19. bis 22. Februar 2019 in Willingen stattfand. Es durchdrang als Leitlinie sämtliche Themenblöcke und ebenso den exklusiven VDBUM-Talk.

Mit diesem Zukunftsthema traf der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik offenbar den Nerv der Zeit. Die Kombination aus top-aktueller Information, hochkarätigem Erfahrungsaustausch unter Experten und Social Event der Baubranche verzeichnete jedenfalls ungebremst eine immense Nachfrage. Mit knapp 1200 Fachbesuchern rangierte die Teilnehmerzahl auf dem Vorjahresniveau.

Über das große Interesse freut sich VDBUM-Vorstandsmitglied und -Geschäftsführer Dieter Schnittjer. „Das VDBUM-Seminar ist für die Führungskräfte und das Top-Management vieler Firmen eine unverzichtbare Größe, die auch in einem bauma-Jahr, in dem überall mit Hochdruck gearbeitet wird, fest eingeplant wird. Für uns ist das eine wunderbare Bestätigung unseres Engagements.“ Mit seiner Veranstaltung belegte der Verband nicht nur das komplette Tagungshotel, sondern hatte weitere Kapazitäten im unmittelbaren Umfeld in Willingen reserviert, um allen Interessenten die Teilnahme unter komfortablen Rahmenbedingungen bieten zu können.

VDBUM-Talk: der Faktor Mensch

Das komplett dreizügige Seminar umfasste die Themenkomplexe „Bauprozess und Mensch“, „Technologie und Digitalisierung“, „Motorentechnik“, „Forschung trifft Praxis“ sowie „Spezialtiefbau“. Die mehr als 50 qualifizierten Fachvorträge und Workshops mit lösungsorientierten Präsentationen zeigten ein weites Spektrum des aktuellen Stands der Technik. Angesichts des sich zunehmend offenbarenden Fachkräftemangels griff der VDBUM-Talk mit dem Thema „Fachkräfte – Garanten für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum“ ein heißes Eisen auf und stellte die zentrale Bedeutung des Faktors Mensch für den Unternehmenserfolg als Kernbotschaft in den Raum.

Auf dem Podium diskutierten Prof. Dr. Thomas Bauer, Aufsichtsratsvorsitzender der Bauer AG, Friedrich Duensing, Geschäftsführender Gesellschafter der Friedrich Duensing GmbH, Jakob Mehrtens als Vertreter des umworbenen Nachwuchses, Michael Ziegler, Personaldirektor bei Total Deutschland, Michael Heidemann, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin Baumaschinen, und Peter Guttenberger, Geschäftsführer der Max-Bögl-Gruppe und Präsident des VDBUM. Sachkundig moderiert wurde die Runde von Alexandra von Lingen.

Professor Bauer sieht die Baubranche in einer sehr guten Verfassung, und es sei davon auszugehen, dass es über die nächsten Jahre stabil weiterlaufen werde. Allerdings werde die Konkurrenzsituation in den kommenden Jahren massiv zunehmen. „Wenn wir nicht total innovativ sind in den nächsten Jahren, werden wir in diesem Wettbewerb mit Sicherheit zurückfallen.“ Wichtig sei dabei auch die Innovationskultur in den Unternehmen: „Give new ideas a chance.“ Wegen des Nachwuchsknappheit und um den Anschluss nicht zu verpassen, habe man sich bei Bauer in der Entwicklungsarbeit international aufgestellt mit Entwicklungsbüros in Indien, China und anderen Ländern, weil man dort mehr gut ausgebildete Leute bekommen könne.

Mit Blick auf den Nachwuchsmangel bringt Friedrich Duensing die Situation auf den Punkt: „Die Nachfrage ist stark gestiegen, und die Demographie spielt gerade gegen uns.“ Deshalb warte sein Unternehmen seit einigen Jahren nicht mehr auf Bewerbungen, sondern gehe gezielt in Schulen und Universitäten, um junge Menschen möglichst früh anzusprechen und dazu zu bewegen, in dem Unternehmen anzufangen oder sich aus- und weiterbilden zu lassen. Mittlerweile würden verstärkt auch Flüchtlinge integriert mit Sprachkursen und Weiterbildung. „Das ist ein Weg, wie man die Lücken schließen kann.“ Mit Osteuropäern und Syrern habe man gute Erfahrungen gemacht. Wenn man drei bis vier Monate in deren Entwicklung investiere, blieben sie auch länger. Insgesamt müsse man Berufseinsteiger von Unternehmensseite weiterqualifizieren. Um Mitarbeiter zu gewinnen, zählten neben einer gerechten Bezahlung auch emotionale Faktoren wie eine familiäre Atmosphäre, dass man in Notfällen Hilfe bekommt, bei Bedarf einen Heilpraktiker anbiete, gemeinsame Feiern und Ausflüge mit den Mitarbeitern und deren Familien unternehme. Perspektiven, Weiterbildung und Sicherheit seien wichtig.

Als Vertreter des Nachwuchses ist Jakob Mehrtens gefragt. Er hat nach dem Abitur gerade seine Ausbildung als Land- und Baumaschinenmechatroniker abgeschlossen und beginnt demnächst ein duales Studium. Deshalb empfand er die Bewerbungsgespräche mit den Unternehmen auch als sehr angenehm. „Das war weniger ein Bewerbungsgespräch, als vielmehr ein Kennenlernen.“ Er plädierte dafür, dass wieder mehr Menschen eine Ausbildung machen, auch wenn sie anschließend studieren wollen, um wichtige praktische Erfahrungen zu sammeln. Besonders spricht ihn der familiäre Umgang in mittelständischen Unternehmen an. „Da ist man nicht nur eine Nummer, sondern hat persönlichen Kontakt zur Geschäftsführung, kennt die Inhaber.“

Für Michael Ziegler sind Innovationen wie die Digitalisierung in einem Großkonzern langsamer und schwieriger umzusetzen als im Mittelstand. Die Frage sei: wie kriege ich das in die Köpfe der Mitarbeiter hinein? Da müsse man Durchhaltevermögen haben: „Digitale Transformation ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Die Nachwuchskräfte von heute stellten neue Anforderungen, zum Beispiel hinsichtlich einer stringenten Work-Life-Balance. Die Unternehmen müssten eine Flexibilisierung der Arbeit, neue Arbeitszeitmodelle und tarifliche Regelungen anbieten, sonst würden sie es zukünftig nicht schaffen, alle Stellen zu besetzen. Außerdem gebe es bei Total Zusatzangebote bis hin zu Massagen, Joga, Pilates und Sportkurse für die Mitarbeiter. Die Firmenzentrale bietet entsprechende Räumlichkeiten, wo man das Angebot auch während der Arbeitszeit nutzen kann. In diesen Zusammenhang gehöre auch eine Vertrauensarbeitszeit ohne Zeiterfassung, Vorsorgeleistungen wie Todesfallversicherung und Berufsunfallversicherung oder Qualifizierung von Neueinsteigern.

Michael Heidemann sieht für Zeppelin in der Beschaffung von Fachkräften zukünftig eine der ganz großen Aufgaben. Man müsse sich viel stärker um die Nachwuchskräfte bemühen, als man das in den letzten Jahren gewohnt war. Dazu gehöre auch ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe. Eine familiäre Atmosphäre zu schaffen, sei ganz wichtig, um Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. Ältere Mitarbeiter würde man auch gerne über die eigentliche Altersgrenze hinaus noch im Unternehmen halten, damit sie ihr in Jahrzehnten angehäuftes Wissen weiterhin einbringen. Allerdings müsse man die Baubranche attraktiver machen für junge Menschen, damit es für sie wieder reizvoller ist, dort zu arbeiten. Dabei würden positive Botschaften hilfreich sein.

Peter Guttenberger, Geschäftsführer der Max-Bögl-Gruppe und Präsident des VDBUM, forderte im Hinblick auf die Nachwuchsgewinnung: „Man muss sich dabei fragen, warum ist die Arbeit auf dem Bau weniger attraktiv als woanders?“ Und er gab selbst die Antwort: „Weil es dort staubt und vibriert.“ Oft sei zudem der Arbeitsplatz weit vom Wohnort entfernt. Aber auch hier könnten Innovationen zu einer Verbesserung der Arbeitsumwelt beitragen, beispielsweise durch Entwicklung eines selbstverdichtenden Betons, der keine Verdichtung mit einer Rüttelplatte mehr benötige, oder durch eine Gelenkwelle am Bagger, die man nicht mehr zu schmieren brauche. Durch Innovationen ließen sich unangenehme Tätigkeiten ausklammern. Eine wichtige Bedeutung bei der Nachwuchsförderung komme auch den älteren Mitarbeitern im Ruhestand zu, die nach einer VDBUM-Initiative als „Silver Worker“ beratend ihr Wissen an junge Nachwuchskräfte in ihrem oder in anderen Unternehmen weitergeben. Die Silver Worker können tageweise über den VDBUM angefordert werden.

Nachwuchsförderung auf breiter Front

Das Werben um den qualifizierten Nachwuchs hat sich der VDBUM schon länger auf seine Fahnen geschrieben und dabei nicht zuletzt den „Baumaschinenerlebnistag“ ins Leben gerufen, bei dem Unternehmen der Baubranche bundesweit ihre Türen öffnen und Schülern der Abschlussklassen die vielfältigen Berufsmöglichkeiten „rund um den Bau“ anschaulich vor Augen führen. Die Initiative findet jährlich statt und hat sich mittlerweile bei Schulen und Unternehmen fest etabliert.

Auch auf dem Großseminar bot der Verband mit dem Patenschaftsprogramm Studenten und Meisterschülern die Chance zur Teilnahme. Hierbei sponsern Partnerunternehmen und der VDBUM den Besuch der Fachtagung von Studenten aus baurelevanten Fakultäten und Meisterschülern. Die Nachwuchskräfte haben dadurch die Möglichkeit, die maßgeblichen Unternehmen der Branche kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen für Praktika und Examensarbeiten. Den Unternehmen verhilft das Programm zu wertvollen Kontakten mit aussichtsreichen künftigen Mitarbeitern. Das Patenschaftsprogramm hat sich auf dem VDBUM-Seminar nicht nur einen anerkannten Platz erobert, sondern wird in diesem Jahr sogar nochmal deutlich ausgeweitet. Die Teilnehmerzahl hat sich von 30 im Vorjahr auf 74 Nachwuchskräfte in diesem Jahr mehr als verdoppelt. Und auch die Verweildauer der jungen Hoffnungsträger auf dem Seminar wurde von zwei auf drei Tage ausgedehnt, so dass die jungen Leute noch mehr Zeit für spannende Fachvorträge, aber auch ihr persönliches Networking hatten.

Gute Ideen lohnen sich

Um die Aktivierung menschlicher Leistungspotenziale und damit in eine ähnliche Richtung geht es bei dem jährlich vergebenen VDBUM-Förderpreis für Innovationen in der Baubranche, der bereits zum siebten Mal verliehen wurde. Mit der Auslobung dieses Preises möchte der Verband den Fortschritt der gesamten Branche beflügeln. Ziel der eingereichten Arbeiten soll es sein, den Einsatz von Baumaschinen und Komponenten noch wirtschaftlicher zu gestalten und mit klugen Bauverfahren die Effizienz auf der Baustelle zum Nutzen der Bauunternehmen und ihrer Kunden weiter zu steigern. Es wurden diesmal wieder mehr als 30 hochwertige Einreichungen vorgelegt, von denen 26 von einer hochkarätigen Jury für die Preisverleihung ausgewertet wurden. Mit seinem fachlichen Anspruch hat sich der Förderpreis in der Baubranche zu einem einzigartigen, hoch geschätzten Instrument entwickelt, um Anreize für Verbesserungen zu schaffen und das vorhandene Ideen-Potenzial zu erschließen und zu nutzen. Die Preisverleihung mit Vorstellung der preisgekrönten Arbeiten erfolgte auf der Abendveranstaltung am 20. Februar 2019 im Rahmen des VDBUM-Seminars. Aber auch die nicht mit einem Preis ausgezeichneten Einreichungen wurden angemessen gewürdigt: Sie wurden während der gesamten Seminardauer in einem separaten Raum auf Roll-Ups ausführlich präsentiert. Darüber hinaus werden ausgewählte Innovationen in einer Serie über das ganze Jahr verteilt im Fachmagazin VDBUM Info publiziert.

Hier kommt man zusammen

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Ergänzt wird das umfangreiche Vortragsprogramm durch eine begleitende Fachausstellung mit 106 Ständen auf 1200 m2 Fläche im Indoor-Bereich und zusätzlichen Präsentationsmöglichkeiten für besonders große Exponate im Außengelände. Hier lassen sich Themen aus dem Vortragsprogramm individuell und anschaulich vertiefen, aber auch konkrete Projekte anbahnen. Im Anschluss an die prall gefüllten Seminartage eröffnen die bei den Besuchern so beliebten Abendgalas den angenehmen Rahmen für erweiterte Fachgespräche, Erfahrungsaustausch und das Knüpfen neuer Kontakte. Hier kommt man miteinander ins Gespräch. Nicht zuletzt sind die Abendveranstaltungen immer wieder auch ein gesellschaftliches Ereignis und das jährlich freudig erwartete Wiedersehen mit Verbandsmitgliedern und Fachkollegen, das die Zusammenarbeit innerhalb der Baubranche stärkt und den Zusammenhalt fördert.

Der VDBUM hat es trotz der stetig wachsenden Dimensionen seiner Großveranstaltung verstanden, dem Ereignis seinen familiären Charakter zu erhalten. „Der Nachwuchs wird dabei natürlich ebenso in die VDBUM-Familie aufgenommen. In den letzten Jahren war eine starke Verjüngung bei den Besuchern zu beobachten, man sah täglich wieder neue Gesichter“, so Dieter Schnitter.

Das nächste VDBUM-Seminar findet vom 11. bis 14. Februar 2020 in Willingen statt.

Quelle: MK Medien Kommunikation

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