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CLIMMAR: Landmaschinenhändler brauchen mehr Mitspracherecht in der europäischen Debatte

Interview mit Tomáš Kvapil, Präsident von CLIMMAR
LECTURA GmbH Europa
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Interview mit Tomáš Kvapil, Präsident von CLIMMAR

Bildquelle: LECTURA GmbH; CLIMMAR

Nach Abschluss seines ersten Jahres als Präsident von CLIMMAR spricht Tomáš Kvapil in einem Exklusivinterview mit LECTURA Press über die neue Ausrichtung der Organisation, die Herausforderungen, denen Landmaschinenhändler und -reparaturbetriebe in ganz Europa gegenüberstehen, sowie die Schwerpunkte, die die Arbeit von CLIMMAR in der kommenden Zeit prägen werden.

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Patrik Eder: Könnten Sie für Leser, die CLIMMAR vielleicht noch nicht kennen, die Organisation kurz vorstellen und erläutern, wen sie vertritt? 

Tomáš Kvapil: CLIMMAR ist der internationale Dachverband nationaler Verbände, die Händler und Reparaturbetriebe für Land- und Gartenmaschinen vertreten. Einfach ausgedrückt bringen wir Organisationen aus ganz Europa zusammen, die Unternehmen vertreten, welche auf ihren nationalen Märkten Landmaschinen verkaufen, warten und betreuen.

Die Aufgabe von CLIMMAR besteht darin, diese nationalen Verbände miteinander zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Herausforderungen zu identifizieren und die Interessen von Händlern und Reparaturbetrieben auf europäischer Ebene zu vertreten. Wir möchten sicherstellen, dass die spezifische Rolle unserer Branche von politischen Entscheidungsträgern, Herstellern und anderen Partnern in der Landwirtschaft richtig verstanden wird.

PE: Im März haben Sie Ihr erstes Jahr als Präsident von CLIMMAR abgeschlossen. Wenn Sie zurückblicken: Was betrachten Sie als die wichtigste Errungenschaft Ihrer Amtszeit?

TK: Im ersten Jahr ging es vor allem darum, an die Arbeit meiner Vorgänger anzuknüpfen und CLIMMAR eine starke und aktive Stimme in der aktuellen europäischen Debatte zu verschaffen. Eine der wichtigsten Errungenschaften ist, dass CLIMMAR als repräsentative Stimme der Landmaschinenhändler und -reparaturbetriebe zunehmend an Sichtbarkeit gewinnt.

Wir haben uns dafür eingesetzt, dass die spezifische Situation der Händler besser verstanden wird – nicht nur innerhalb unserer Branche, sondern auch von Organisationen, die Landwirte, Lohnunternehmer, Hersteller und europäische KMU vertreten.

Eine weitere positive Entwicklung war die Stärkung unserer Arbeitsgruppen und deren intensivere Einbindung in die Aktivitäten von CLIMMAR. Das ist sehr wichtig, da viele der Themen, mit denen wir uns befassen, sehr praxisnah und technisch sind. CLIMMAR muss in der Lage sein, auf konkrete Probleme einzugehen, mit denen Händler in ihrem Tagesgeschäft konfrontiert sind. 

Tomáš Kvapil, Präsident von CLIMMAR<br>BILDQUELLE: CLIMMAR

PE: CLIMMAR vertritt Landmaschinenhändler und -reparaturbetriebe in ganz Europa. Was sind derzeit die wichtigsten Anliegen Ihrer Mitglieder, und wie trägt CLIMMAR dazu bei, ihrer Stimme auf europäischer Ebene Gehör zu verschaffen?

TK: Die Anliegen unserer Mitglieder sind europaweit sehr ähnlich. Händler und Importeure sehen sich mit einer Kombination aus hohen Lagerbeständen, gestiegenen Finanzierungskosten und einer schwächeren Nachfrage seitens der Endkunden konfrontiert. Landwirte und Lohnunternehmer sind bei Investitionsentscheidungen zurückhaltend, da sie selbst aufgrund von Unsicherheiten, Energiekosten, Düngemittelpreisen und dem allgemeinen wirtschaftlichen Umfeld unter Druck stehen.

Dies erzeugt Druck entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Händler befinden sich in der Mitte dieser Kette: zwischen den Herstellern auf der einen Seite und den Landwirten und Lohnunternehmern auf der anderen. Deshalb besteht die Aufgabe von CLIMMAR darin, sicherzustellen, dass die Situation der Händler auf europäischer Ebene richtig verstanden wird.

Wir wollen konstruktiv zur Debatte beitragen und hervorheben, dass ein gesundes Händlernetz für das Funktionieren der modernen europäischen Landwirtschaft unerlässlich ist. Außerdem setzen wir uns für einen „Think Small First“-Ansatz in der Politikgestaltung ein und fordern die Entscheidungsträger nachdrücklich dazu auf, politische Maßnahmen unter Berücksichtigung kleiner Unternehmen zu konzipieren. 

CLIMMAR stärkt seine Rolle als europäische Vertretung der Landmaschinenhändler und -reparaturbetriebe.<br>BILDQUELLE: CLIMMAR

PE: Wie verändert sich die Struktur des Landmaschinen-Händlernetzes in Europa?

TK: In Westeuropa haben sich die Händlernetze oft über viele Jahrzehnte hinweg kontinuierlich entwickelt. Viele Unternehmen sind traditionsreiche Familienbetriebe mit starken lokalen Wurzeln und langjährigen Beziehungen zu Landwirten und Herstellern.

In den vergangenen Jahren ist jedoch ein deutlicher Trend zur Konsolidierung zu beobachten: größere Händlergruppen, Fusionen und professionellere Strukturen. Dies setzt eine über viele Jahrzehnte hinweg gewachsene Struktur erheblich unter Druck. Die derzeit schwierige Marktsituation beschleunigt diesen Prozess zusätzlich.

Meine persönliche Sichtweise ist auch dadurch geprägt, dass ich aus Tschechien komme. In Osteuropa verlief die Entwicklung ganz anders. Dort mussten die Händlernetze nach 1990 in einem neuen Marktumfeld neu aufgebaut werden – oft sehr schnell und parallel zur Modernisierung der Landwirtschaft.

Ein Teil der Konsolidierungsprozesse, die wir derzeit in Westeuropa beobachten, hat in vielen mittel- und osteuropäischen Märkten bereits Anfang der 2000er-Jahre stattgefunden. Dieser Prozess ist jedoch keineswegs abgeschlossen und dauert in gewissem Maße bis heute an.

Gleichzeitig gibt es mittlerweile viele Herausforderungen, die europaweit ähnlich sind: die zunehmende technologische Komplexität, der Bedarf an qualifizierten Serviceteams, der Rentabilitätsdruck, der Generationswechsel und in vielen Märkten eine weitere Konsolidierung. Für CLIMMAR ist es wichtig, diese Vielfalt widerzuspiegeln und sicherzustellen, dass die Stimme der Händler aus allen Teilen Europas Gehör findet. 

Die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte und die Förderung des Generationswechsels sind für die Zukunft der Branche von entscheidender Bedeutung.<br>BILDQUELLE: CLIMMAR

PE: Was sind die wichtigsten Prioritäten von CLIMMAR für die nahe Zukunft, insbesondere in Bezug auf Themen wie die künftige Gemeinsame Agrarpolitik, Digitalisierung, Smart Farming, Ausbildung und Generationswechsel?

TK: Für unsere Branche ist es unerlässlich, dass die GAP weiterhin Investitionen in moderne Agrartechnologien fördert. Solche Investitionen sind nicht nur für Maschinenhändler wichtig, sondern auch für die Produktivität, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft. Angesichts einer geschätzten Finanzierungslücke von 62 Milliarden Euro in der EU-Landwirtschaft benötigen Landwirte stärkere öffentliche Unterstützung, geeignete Finanzierungsinstrumente und stabile politische Rahmenbedingungen, um in die Modernisierung investieren zu können.

Digitalisierung und Smart Farming sind ein weiterer Schlüsselbereich. Händler werden für Landwirte bei der Einführung moderner Technologien zu immer wichtigeren Partnern. Der Verkauf einer Maschine ist nur ein Teil des Ganzen. Service, Daten, Software, Schulungen und technischer Support gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Auch Ausbildung und Generationswechsel sind wichtige Prioritäten. Unsere Branche braucht qualifizierte Techniker, motivierte junge Menschen und engere Verbindungen zwischen Schulen, Händlern und Herstellern. Dies ist nicht nur eine Frage des Arbeitsmarktes, sondern auch eine strategische Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Servicekapazitäten der gesamten Branche.

Gleichzeitig werden wir traditionelle CLIMMAR-Projekte wie den Händler Zufriedenheitsindex, den CLIMMAR-Index und den Branchenbericht weiterentwickeln. Diese Instrumente helfen uns, die Branche besser zu verstehen, und bieten eine solidere Faktengrundlage für unsere Gespräche mit Partnern.

Vertreter europäischer Händler beraten über die künftige Ausrichtung von CLIMMAR.<br>BILDQUELLE: CLIMMAR

PE: Viele europäische Länder sehen sich mit einem Mangel an qualifizierten Servicetechnikern konfrontiert. Wie kann die Branche mehr junge Menschen anziehen und die berufliche Bildung stärken?

TK: Dies ist eine der wichtigsten langfristigen Herausforderungen für unsere Branche. Moderne Landmaschinen sind längst nicht mehr nur mechanische Geräte. Heute vereinen sie Mechanik, Hydraulik, Elektronik, Software, Daten und Technologien des Präzisionslandbaus. Das bedeutet, dass der Beruf des Servicetechnikers deutlich anspruchsvoller und attraktiver ist, als sich viele junge Menschen vielleicht vorstellen.

Das müssen wir besser vermitteln. Junge Menschen sollten erkennen, dass die Arbeit mit Landmaschinen den Umgang mit modernen Technologien bedeutet, die einen echten Einfluss auf die Nahrungsmittelproduktion, die Nachhaltigkeit und die Zukunft der Landwirtschaft haben.

Gleichzeitig brauchen wir eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Schulen, Händlern und Herstellern. Die berufliche Ausbildung muss eng mit der Praxis verbunden sein. Dazu gehören Praktika, Lehrstellen, moderne Ausbildungsgeräte, Besuche bei Händlern sowie die regelmäßige Einbindung von Technikern und Unternehmen in den Ausbildungsprozess.

Aus Sicht von CLIMMAR müssen Ausbildung und Generationswechsel weiterhin Priorität haben. Ohne qualifizierte Techniker wird es nicht möglich sein, die Servicekapazitäten aufrechtzuerhalten, die europäische Landwirte benötigen. Ein starkes Händler- und Servicenetz ist unerlässlich, damit moderne Landmaschinen zuverlässig auf dem Feld eingesetzt werden können. 

Quelle: LECTURA GmbH

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