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Vom Passivhaus zum Aktivhaus Plus – Energieeffizienz bauen

BDB-Dialog „Die Zukunft baut aktiv“

Frankfurt, 12. Oktober 2013. Der Trend in der Baubranche geht zu energetisch hoch optimierten Gebäuden für Wohnen, Arbeiten, Freizeit – egal ob im Neu- oder Altbau. Wie solche zukunftsträchtigen Immobilien kompetent geplant werden und welche Chancen sich mit ihnen eröffnen, damit befasste sich der Bund Deutscher Baumeister Architekten und Ingenieure (BDB) Frankfurt Rhein Main e.V. in seiner Dialogveranstaltung am 11. Oktober. Sie fand in der Geschäftsstelle des BDB im „SophienHof“ statt, einem der größten Passivhäuser im deutschen Geschosswohnungsbau. Unter dem Motto „Die Zukunft baut aktiv, Vom Passivhaus zum Aktivhaus Plus – Energieeffizienz bauen“ referierten und diskutierten Experten ab 15.00 Uhr in Frankfurt.

Ganzheitliche, interdisziplinäre Betrachtungen sind notwendig

Gastgeber Ingolf Kluge hieß die rund 60 Teilnehmer in der voll besetzten Geschäftsstelle willkommen. Der erste Vorsitzende des BDB-Frankfurt Rhein Main e.V. und Vizepräsident der Bundesingenieurkammer übernahm auch die Einführung und Moderation der Veranstaltung: „Ich danke meinem BDB-Vorstandskollegen Carsten Kulbe für sein stets tatkräftiges Engagement, so dass auch dieser hochkarätige Zukunftsdialog hier und heute durchgeführt werden kann. Passivhäuser stellen in Frankfurt bereits keine idealistische Seltenheit mehr, sondern wirtschaftlich tragfähige Konzepte dar. Der nächste folgerichtige Schritt sind Bauten, die über das Jahr gesehen mehr Energie erzeugen, als sie selbst benötigen: Plus-Energie- Häuser.“ Dabei ist die notwendige Abstimmung zwischen Konstruktion und Anlagentechnik komplex. Eine ganzheitliche, interdisziplinäre Herangehensweise ist hier unumgänglich. Dies können die Mitglieder des BDB leisten, wie dessen Vizepräsident, Hubert Borchert, in seinem Grußwort herausstellte. Im Gegensatz zu Passivhäusern geht es zukünftig nicht nur darum, mit passiven konstruktiven Maßnahmen den Wärmebedarf zu minimieren. Absicht ist auch, den benötigten Strom aus erneuerbaren Quellen mit aktiven technischen Maßnahmen vor Ort zu gewinnen und bereitzustellen.

Energieeffizienz: Von der Politik gefordert und gefördert

Das in diesem Jahr verabschiedete Energieeinsparungsgesetz fordert Architekten bereits heute auf, sich mit Niedrigstenergiegebäuden auseinanderzusetzen: Energieeffizienz wird von der Politik gefordert und gefördert. Die Bauwirtschaft sowie energieeffiziente Gebäude und Städte sind für das Gelingen der Energiewende entscheidend, wie Hans-Dieter Hegner, Ministerialrat im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), betonte: Rund 40 Prozent der in Deutschland aufgewendeten Primärenergie wird im Gebäudebereich verbraucht. Hegner sprach gleichzeitig auch im Namen von Staatssekretär Rainer Bomba, der wegen aktueller Verpflichtungen in Berlin nicht wie geplant nach Hessen kommen konnte.

Mehr als 80 Prozent der Häuser sind vor dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung realisiert worden. Sie entsprechen längst nicht mehr den heutigen energetischen Standards und Möglichkeiten. Das Einsparpotential von Energie und CO2-Emissionen ist im Neu- wie im Altbau groß. Das „Effizienzhaus Plus“, auch Aktivhaus oder Plus-Energie-Haus genannt, kann helfen, Standards von Morgen auszuarbeiten. Die Entwicklung und Markteinführung solcher Gebäude unterstützt die deutsche Politik zum Beispiel mit ihrer Forschungsinitiative „Zukunft Bau“. Anschauungsobjekt dafür ist das in Berlin zu besichtigende „Effizienzhaus Plus“ mit Elektromobilität des BMVBS. Als Informations- und Veranstaltungsplattform dient es zum gesellschaftlichen Dialog mit der Öffentlichkeit. Die Energiedaten des Modellvorhabens für den Neubau werden im gesamten Nutzungszeitraum erfasst und ausgewertet, wie Hans-Dieter Hegner erläuterte. Das Netzwerk der vom BMVBS geförderten "Effizienzhäuser Plus" umfasst bislang insgesamt 35 Bauten. Die Pilotprojekte werden wissenschaftlich begleitet. Ziel ist, das Energiemanagement von modernen Gebäuden zu verbessern. Auch sollen die Komponenten für eine energieeffiziente Hülle sowie die Nutzung erneuerbarer Energien weiterentwickelt werden.

Frankfurt: Vorreiter bei Passiv- sowie Plus-Energie-Häusern

Frankfurt, die deutsche Passivhaus-Hauptstadt, setzt diese Entwicklung bereits in die Praxis um: Frank Junker, Vorsitzender der Geschäftsführung des städtischen Wohnungs- und Immobilienkonzerns ABG Frankfurt Holding GmbH, präsentierte Projekte für den energieeffizienten Wohnungsbau in Frankfurt. Mit über 1.600 errichteten oder im Bau befindlichen Wohnungen im Passivhausstandard, also mit einem Jahresheizwärmebedarf von maximal 15 kWh/m2a, ist sein Unternehmen führend im energiesparenden Bauen. Unter anderem mit dem aktuellen Vorhaben in der Speicherstraße werden mit einem Aktiv-Stadthaus mit insgesamt 74 Wohnungen neue Akzente gesetzt. Über Photovoltaik auf dem Dach und an der Südfassade wird dort mehr Strom erzeugt, als für die Versorgung der Bewohner nötig ist. Der Überschuss soll für Elektromobile (Car-Sharing) genutzt werden. Speicher dienen zur Erhöhung des Eigennutzungsgrades der vielseitig einsetzbaren Energieform Strom für die Bewohner.

Das Gebäude entsteht in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro von Professor Manfred Hegger, dessen Lehrstuhl an der Technischen Universität (TU) Darmstadt die Entwicklung von Aktivhäusern entscheidend prägte: Sein Team gewann 2007 und 2009 den internationalen Wettbewerb „Solar-Decathlon“ um das beste Wohnhaus mit Elektromobilität. Auf diesen Erfahrungen aufbauend berichtete Mirka Greiner vom Fachgebiet „Entwerfen und Energieeffizientes Bauen“ der TU Darmstadt über Plus-Energie-Häuser in Theorie und Praxis. Sie vertrat ihre kurzfristig erkrankte Kollegin, Caroline Fafflok.

Greiner ging auf grundlegende Anforderungen an die neue Bauaufgabe und die Entwicklung entsprechender Konzepte ein. Da sich die Planungsparameter für Aktivhäuser gegenüber Passivhäusern verändern, zeigte sie anhand verschiedener Gebäudetypen und Herangehensweisen gelungene, integrale Planungen. Sinnvolle Schritte können hier sein, zunächst den Energiebedarf durch hoch wärmegedämmte und luftdichte Außenbauteile zu minimieren. Einfache, effiziente Gebäudetechnik, die langfristig verfügbare Energieträger nutzt, optimiert später die Versorgung – beispielsweise eine geregelte Lüftung mit Wärmerückgewinnung oder der Einsatz einer Wärmepumpe. Um auch den jeweiligen Stromverbrauch abzudecken, ist letztlich die Energiegewinnung am Gebäude zu steigern. Dazu können Photovoltaik-Technologien integriert werden, die somit auch über die Gestaltung und Funktion von Dach und Fassaden entscheiden. Zudem machte Mirka Greiner auf Aspekte aufmerksam, die über die Bilanzierung einzelner Gebäude hinaus gehen und zum Beispiel eine quartierbezogene Betrachtung einschließen. Die Veranstaltung klang ab 18.30 Uhr in der BDB-Geschäftsstelle in der Ginnheimer Straße 48, 60487 Frankfurt aus. Bei Getränken und Snacks diskutierten die Teilnehmenden angeregt über das energieeffiziente Planen und Bauen – heute und in Zukunft.

Vom Energieverbraucher zum -produzenten

Die Politik unterstützt die Entwicklung von Passiv-, Null- und Plus-Energie-Häusern. Gesetze wie die EU-Gebäuderichtlinie geben das Ziel vor, ab dem Jahr 2021 nur noch sogenannte Niedrigstenergiegebäude zu errichten. Der dann fast bei Null liegende oder sehr geringe Energiebedarf sollte zu einem wesentlichen Teil durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Einen zukunftsträchtigen Ansatz bilden auch Bauten, die über das Jahr gesehen mehr Energie erzeugen, als sie selbst benötigen. Die Energiewende wird so das Gesicht unserer Bauten und Städte verändern. Auf lange Sicht könnten sich die Energieverbraucher zu Energieproduzenten entwickeln. Damit verbunden ist die Chance, dezentrale umweltfreundliche Kraftwerke zu errichten: Die Gebäude versorgen ihre Nutzer direkt mit Energie. Energiespeicher und Vernetzung sorgen für weitgehende Unabhängigkeit von einer externen Versorgung. Aktivhäuser eröffnen ihren Bewohnern so auch neue Möglichkeiten der Kooperation, wie das Car-Sharing von Elektromobilen. Auch wenn sich die Maßnahmen häufig innerhalb von wenigen Jahren amortisieren, müssen diese zusätzlichen Kosten vom Bauherrn aufgebracht werden. Zur Unterstützung gibt es in Deutschland derzeit rund 6.000 Förderprogramme. Die richtige Kombination der Zuschüsse kann bis zu 20 Prozent der Sanierungskosten und einen ähnlichen Anteil der Neubaukosten decken. Sollte nicht in energieeffiziente Maßnahmen investiert werden, können die Nebenkosten sonst leicht rund 75 Prozent der Gesamtkosten ausmachen, die ein Gebäude bei einer Lebensdauer von 80 Jahren benötigt. Energieoptimierte Immobilien sind deshalb mehr und mehr gefragt: Der Trend geht zum nachhaltigen, energieeffizienten Bauen.

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Engagement für Aktivhäuser: Ingolf Kluge, Vorstandsmitglied Bund Deutscher Baumeister Architekten und Ingenieure (BDB) Frankfurt Rhein Main e.V. und Gastgeber der Veranstaltung in Frankfurt; Hubert Borchert, Vizepräsident BDB; Frank Junker, Vorsitzender der Geschäftsführung der ABG Frankfurt Holding GmbH; Mirka Greiner, Technische Universität Darmstadt, Fachbereich Architektur, Fachgebiet Entwerfen und Energieeffizientes Bauen; Carsten Kulbe, Vorstandsmitglied des BDB-Frankfurt Rhein Main e.V. und Initiator der Veranstaltung; Hans-Dieter Hegner, Ministerialrat im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) sowie Herbert Barton, Hauptgeschäftsführer des BDB (von links).

 Ausgebuchter BDB-Dialog: Rund 60 Teilnehmer besuchten die Veranstaltung am 11. Oktober zu Aktivhäusern und sorgten so für eine volle Geschäftsstelle des BDB-Frankfurt Rhein Main e.V.

Bettina Gehbauer-Schumacher

Smart Skript - Fachkommunikation für Architektur und Energie

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